Montag, 28. Februar 2011

Ungerecht

Für den kleinen Buben funktionierten die Welt und das Leben nach manchmal undurchschaubaren Regeln. Nicht nur, dass es eine Ewigkeit dauerte bis ein Jahr vorbei war und die Tage kurz vor dem Geburtstag schier endlos schienen, weil der Bub vor Aufregung abends nicht einschlafen konnte. Nein, andere Kinder hatten auch noch viel öfter Geburtstag als er, beklagte er sich. Ungerecht sei das! Ob denn sein Bruder auch häufiger Geburtstag hätte als er, fragte ich ihn und hoffte damit aufklären zu können. Der Bub war nicht überzeugt. Dem Bruder ginge es genauso schlecht und er bedachte mich mit einem leicht genervten Denk-doch-nach-Blick: "Wie denn auch bei Zwillingen?" Ich war etwas ratlos. Wie sollte ich dem Bub erklären, dass alles seine Richtigkeit hat, wenn für mich selbst die Jahre in Lichtgeschwindigkeit dahinrasen und sich die Geburtstage so schnell wiederholen, dass ich schon glaube, ich würde andere dabei überholen.

Die Tage vor dem Familienessen waren wieder mal viel zu kurz. Es gab eine Menge zu tun, die Zeit verflog und zum Schluss kam wieder etwas Hektik auf. Die Buben halfen fleißig mit, nur das Bügeleisen verweigerte in letzter Minute ohne Vorankündigung seinen Dienst.


Blätterteig mit Mohn und Sesam



Essen ist wichtiger als Fotografieren und so war auch schon einiges weggefuttert bevor die Kamera ausgepackt war. Genau genommen riss schon vor Eintreffen der Gäste einer der Buben, der Hauptverdächtige in einem anderen Fall, ein Loch in den Knabberhaufen. Ein aufwendiges Amuse hatte ich nicht geplant sondern nur ein bisschen vorneweg zum Weißwein, der auch das ganze Menue begleitete.


Weiße Tomatenmousse mit Tomatenvinaigrette



Für die Weiße Tomatenmousse wählte ich Elines Rezept. Sie verwendet Datteltomaten, die sehr aromatisch sind. Normalerweise - der Tomatenfond hatte dann leider nicht das gewünschte Aroma und so habe ich ihn kurzerhand mit gehackten Pelati aus der Dose und einem Eiweiß noch mal aufgekocht und abgeseiht. Etwas Fond kam auch in die Tomatenvinaigrette und die restlichen 200 ml wanderten in den Tiefkühler. Bei der nächsten Tomatenmousse möchte ich gerne verschiedene Formen zum Stürzen ausprobieren. Denn so glücklich bin ich mit den Nocken nicht.


Erbsensüppchen



Das Erbsensüppchen war als kleiner Magen- und Pausenfüller vor den nächsten beiden Gängen geplant. Unkompliziert und fein im Geschmack.


Kalbsrücken mit Radieserlvinaigrette



Kalbsrücken stand als erste Zutat für das Menü fest. Mehr nicht. Lange Zeit hatte ich keine Idee wie ich ihn zubereiten sollte. Zum Hauptgang oder als Zwischengericht? Eine Anregung kam von Ali Güngörmüs: Rosa Scheiben vom Kalbsrücken mit Zwiebelvinaigrette. Nur die Zwiebel überzeugte mich nicht und wurde durch Radieserl ersetzt. Eine gute Wahl, der Zwischengang kam sehr gut an und wenn ich irgendwann mal eine gute Aufschnittmaschine besitze, wird er auch optisch noch besser.


Lachs auf Fenchelorangenbett



Fenchel und Orange, eine beliebte Kombination. Ich mag Fenchel gerne und es ist unverständlich, warum ich ihn noch kaum selbst zubreitet habe. Und dieses Mal auch nicht. Bub Nr. 2 bereitete diesen Gang alleine zu. Nur beim Anrichten durfte ich helfen. Für das Hauptgericht hat der Bub den Fenchel in Salz und Zucker mariniert. Die Orangen wurden filetiert und nur der aufgefangene Saft kam beim Dünsten des Fenchels dazu.


Variation vom Sauerrahm



Sauerrahmauflauf, Sauerrahmeis, Sauerrahmmousse und als Farbtupfer ein Himbeerschaum - krönender Abschluss des Menüs, das mit einer weißen Vorspeise begann. Ein weißes Dessert schließt den Kreis. Die Anregung und die Rezepte für den Sauerrahmauflauf und den Beerenschaum kamen, wenn auch leicht abgewandelt, aus Die Meisterschule der Jeunes Restaurateurs. Für das Sauerrahmeis gefiel mir das Rezept von Ali Güngörmüs am besten und das Rezept für die Sauerrahmmousse fand ich in Schuhbecks "Meine Bayerische Küche". Der schwierigste Teil war selbstverständich der Sauerrahmauflauf. Trotzdem, am meisten fuchsten mich die Nocken. So sehr, dass ich schon bald zu einem Nockenformkurs fahre.