Mittwoch, 21. Dezember 2011

21. Dezember 2011 - Das Supertürchen

Schwer geht es auf, das Türchen, nur einen Spalt. Eingerostet. War auch schon lange keiner mehr hier. Und dann auch noch ein Supertürchen. Ein Supertürchen? Ja, DAS Supertürchen und nein, es ist noch nicht der Vierundzwanzigste. Keine Ahnung, warum heute schon das Supertürchen geöffnet wird – drei Tage vor Weihnachten. Drei Tage noch und der Praktikant war noch nicht mal dran. Der wird doch nicht etwa am Vierundzwanzigsten? Oder doch? Aber wer noch nicht mal den Schlüssel zum Weinkeller bekommt, der darf doch nicht das Supertürchen, oder? Ich also! Wenn sich das die Chefinnen bei 180° mal richtig überlegt haben!? Ich und so ein wichtiges Supertürchen? Das ist als würde man den Bock zum Gärtner machen, hab ich mich doch nie als disziplinierte Adventskalendertürchenöffnerin bewiesen. Wenn es darum geht Türchen vorzeitig zu öffnen, jaaaha, darin bin ich geübt. Gut anfangs, so im Kleinkindalter, noch etwas grob. Als am zweiten Tag klar war, dass sich das Türchenöffnen wiederholt, war auch klar, dass es da noch mehr von diesen Schokoladenstückchen zu holen gab. Nicht einfach so kleine Schokoladenrippchen, nein, auch noch Figuren in verschiedenen Motiven, Stern, Herz, Blume, Mond und Komet und noch andere, die in Mulden mit bunten Bildern lagen. Da wurde nicht lange gefackelt und der Adventskalender lag zerfetzt auf dem Boden. Sofort wurde mir klar gemacht, dass die Tat nicht regelkonform war und mir war sofort klar, dass die Durchführung des Regelverstoßes nicht den Regeln der Kunst entsprach.

Ein anderes Mal versuchte ich eine neue Technik. Ich war schon etwas älter und die Feinmotorik weiterentwickelt. Vorsichtig öffnete ich ein Türchen nach dem anderen. Aber alle Vorsicht half nichts, die Spuren waren eindeutig: kleine Knicke und Risse an fast allen Türchen. Nur zwei oder drei sahen unberührt aus, auch der spätere Einsatz von Messern lieferte keine besseren Ergebnisse. Mit zunehmendem Alter wurden die Methoden raffinierter und der Adventskalender von hinten geöffnet. Als beste Technik erwies sich, die untere Lasche vorsichtig mit einem Messer abzulösen - heißer Dampf empfahl sich nicht - und dann die komplette Plastikform mit den Schokoladenfigürchen herauszuziehen. Schon lange ging es nicht mehr um die Schokolade alleine und irgendwann wuchs ich auch aus dem Schokoladenadventskalenderalter heraus.

An ein einziges weiteres Erlebnis mit Adventskalendern kann ich mich noch erinnern. Nicht besonders rühmlich und bisher hatte ich es noch nie jemandem erzählt, schon gleich gar nicht meinem Bruder. Seinen aus Streichholzschachteln und weißer Watte selbstgebastelten Adventskalender in Form einer Hütte in Schneelandschaft hatte ich eines späten Abends in Brand gesetzt. Glücklicherweise konnte ich das Feuer gleich löschen und alle Schäden an Hütte und Umgebung beheben. Am nächsten Morgen war dann auch der verräterische Gestank aus dem Wohnzimmer verschwunden.

So schlimme Mädchen wie ich, würde man meinen, bekommen auch ganz schlimme Kinder und schließlich hatte auch meine Mutter meinem Bruder und mir in einem Anfall von Verzweiflung - es ging um unsere, zugegeben, anstrengenden Essgewohnheiten - genau solche Kinder wie wir es waren gewünscht. Aber was soll ich sagen, ich hatte Glück. Nicht nur, dass meine Buben von Anfang an gute Esser waren, nein, sie warteten in der Adventszeit auch noch ganz brav und ehrfürchtig auf das Christkind. Nie wagten sie es auch nur ein Türchen des Adventskalenders zu früh zu öffnen. Selbst Bub Nr. 1, der ein Süßer ist, wollte nicht, dass das Christkind ein Fehlverhalten bemerken könnte.

Mit den Jahren verflog aber auch der weihnachtliche Zauber, erste Zweifel kamen auf als Bub Nr. 1 bemerkte, dass der Nikolaus genau so eine Stimme wie ein guter Freund der Familie hatte und sich Bub Nr. 2 wunderte, dass das in allen Belangen perfekte Christkind eine leicht verkratzte Spielküche unter den Christbaum stellte. Und eines Tages, kurz vor Weihnachten, war es dann soweit. In einem unbedachten Moment öffnete ich die Kofferraumtür meines Autos. Ich schaute in den Kofferraum, dann zu Bub Nr. 1. Der Bub schaute mich an, dann in den Kofferraum, und dann wieder mich an: "Mama, DU kaufst die Weihnachtsgeschenke!" Jetzt war's raus. Dass Bub Nr. 1 die Neuigkeit nicht für sich behalten konnte, erfuhr ich einen Tag später, als mich die Mutter seines Freundes anrief. Die Diskussion endete in einer Rauferei, in der der Freund vehement das Christkind verteidigte. Sie ging mit einem Remis aus - dem Freund war der Glaube ans Christkind nicht auszutreiben. Vorerst nicht.

Danach war nichts mehr wie es einmal war. Der Reiz der weihnachtlichen Unschuld verloren und die Buben auf den Plan gebracht. Wenn das Christkind schon nicht die Geschenke vom Himmel mitbrachte, mussten sie doch irgendwo auf der Erde, vermutlich ganz nah, versteckt sein. Das ganze Haus wurde durchsucht und überall hinterließen die Buben ihre Spuren. Nicht nur, dass sie Geschenke fanden, auch die Plätzchenvorräte entdeckten sie. Als Gegenmaßnahme wurden in den folgenden Jahren besonders gerne Erlebnisse geschenkt. Mehr als ein wenig Papier für einen Gutschein brauchte es dafür nicht und so durfte Bub Nr. 1 in ein Fußball-Trainingslager und Bub Nr. 2 seinen ersten Kochkurs besuchen. Nur für die Plätzchen fand sich keine geeignete Lösung. Alle einschlägigen Verstecke waren bekannt.

Eines Tages hatte ich die geniale Idee, die Plätzchen dort zu verstecken, wo man sie überhaupt nicht vermutete, weil man ständig daran vorbeikam. Vor der Nase sozusagen, bei uns im Flur unter dem Sideboard. Tagtäglich überprüfte ich die Plätzchenvorräte und natürlich naschte ich davon, nur ich. Diebisch freute ich mich über das gute Versteck, bis ich eines Tages eine fast leere Plätzchendose vorfand. Nur ein Papierzettel lag darin:

"Mama, bist selber schuld, wenn Du die Platzerl nicht gescheit versteckst."

Der Täter war schnell entlarvt. Das konnte nur Bub Nr. 1 gewesen sein, denn es war die Dose mit den Husarenkrapferln, seinen Lieblingsweihnachtsplätzchen.

Auch heute noch schwinden die Husarenkrapferlvorräte besonders schnell. Da heißt es nun schnell noch ein Blech für's Christkind backen während Bub Nr. 2, bei dem die Weihnachtsgeschenke gut angelegt waren, beim Kochen hilft und das Supertürchen ganz aufmacht.


Frohe Weihnachten wünschen Fritz und die Buben!









Husarenkrapferl
40 Stück

140 g Mehl
70 g gemahlene Haselnüsse
70 g Zucker
140 g Butter
2 Eigelb
1 Msp. gemahlenen Zimt

einige Esslöffel Marillenmarmelade oder Johannisbeergelee
Puderzucker

Alle Zutaten zu einem Teig verarbeiten und kühl stellen. Walnussgroße Kugel formen und auf das mit Backpapier ausgelegte Backblech geben. Mit dem Stiel eines Kochlöffels Mulden in die Kugeln drücken. Die Krapferl bei 180° C circa 15 bis 18 Minuten hell backen. Nach dem Backen die Mulden mit erwärmter Marmelade füllen. Auskühlen lassen und mit Puderzucker bestäuben.



Kommentare:

  1. Boah, gut dass Du das schwergängige Türchen aufgekriegt hast! Wenn es zugeblieben wäre, wäre das echt sehr, sehr schade gewesen.

    Die durch mich besonders gefährdeten Bethmännchen waren übrigens immer in der Standuhr ganz unten versteckt. Wie das Geislein bei Rotkäppchen. Und es hat nur in seltenen Fällen geklappt, die Dose ohne Geräusch da unten rauszupfriemeln, besonders, wenn die Gewichte schon weit unten waren :-)))

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  2. Endlich!
    Endlich bist Du hier wieder da! Und Du hast ein wunderschönes Super-Super-Türchen aufgemacht!

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  3. Ich geh jetzt gleich mal zu Bub 2 rüber...

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  4. An diesen Vorweihnachtserinnerungen kann ich mich gar nicht genug sattlesen und es war wohl überall das Gleiche, vorfreudige Spannung, Plätzchen suchen (bei uns war das Spritzgebäck im Gänsebräter und die Printen bei der Bettwäsche) und Geschenke jagen.

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  5. 1. “eingerostet” Stimmt wohl; leider!
    2. Praktikanten müssen sich halt meistens hinten anstellen
    3. Haben die sich gut überlegt, die Cheffinnen!
    4. Hätteste mal einen Praktikanten gefragt, wärste früher dahinter gekommen, mit dem Kalenderplündern
    5. Regelbruch und Kunst des Regelbruchs ist eine feine Unterscheidung
    6. das Zündeln würde zum Praktikantentum befähigen
    7. sie hätten ja noch eine Weile so tun können, als glauben sie ans Christkind; den Eltern zuliebe…
    8. Unschuld macht verloren viel mehr Spaß
    9. Husarenkrapferl schmecken versteckt gleich nochmal zu gut
    10. Erstklassige Gutscheininvestition bei Bub 2

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  6. Die Plätzchen wurden bei uns nie versteckt, allerdings kann ich mich auch noch gut daran erinnern, den Adventskalender im Vorwege klammheimlich geöffnet zu haben. Dabei ging es mir aber nie darum, die Schokolade zu essen. Ich wollte einfach soooo gern wissen, was für eine Form sie hatte ;o)

    Und jetzt gehts zum Bub...

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  7. Habe die ganze Zeit beim lesen dein Gesicht vor mir gesehen. Spitzbübisch! :)

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  8. Deine Geschichte ist so schön weihnachtlich und es freut mich mal wieder etwas von dir zu hören. Entspannte Festtage wünsche ich dir.

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  9. Und endlich komm ich auch dazu, das Supertürchen zu kommentieren. Wusste ich doch, dass es ein Supertürchen wird! Schön Dich wieder zu lesen!!!

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