Bei meinen beiden Buben war kindgerechtes eher bei der Ausrüstung für kleine Abenteurer gefragt. So hatten sie Kindertaschenlampen, Kinderferngläser, Kinderscheren, ja sogar Kinderschnitzmesser und allerhand anderes wichtiges Zeug. Nur etwas fehlte noch. "Mama" diktierte Bub Nr. 2 eines Tages im Spätherbst "schreib auf!" Es ging um den Brief an das liebe Christkind. "Liebes Christkind, ich wünsche mir ..." jetzt muss ich kurz einflechten, dass es um den ersten Wunsch auf der Liste ging und somit wahrscheinlich der größte und dringendste Wunsch war:
".. ein Kinderfeuerzeug"
Keine Ahnung, was der kleine Kerl damit anzufangen gedachte und ich wollte auch gar nicht wissen, was die besonderen Vorzüge von Kinderfeuerzeugen sind. Einfach in der Handhabung und kindgerecht in der Ausführung? Die Dinger waren jedenfalls nicht lieferbar. Vermutlich hatten wir zu spät bestellt und sie waren vergriffen oder sie waren einfach noch nicht erfunden. Auf Rückfragen bekam ich leider keine befriedigende Antwort. Als Betriebswirtin, vom Fach sozusagen, hatte ich im Laufe der Zeit meinen Kindern das Unternehmen Christkind als gut organisierten Wirtschaftsbetrieb erklärt. Es gab verschiedene Abteilungen und riesige Lager, von unten bis oben gefüllt mit Spielsachen. In der Hochsaison gingen täglich tausende von Bestellungen ein, die bearbeitet werden mussten. Es mussten Sonderschichten gefahren werden. Natürlich gab es schon Computer und am Tag X verteilte nicht nur das Christkind die Geschenke, sondern es übernahmen Aushilfsengel den Vertrieb und in manchen Gegenden auf Weihnachten spezialisierte Nikoläuse, die sich Weihnachtsmänner nannten. Auch Eltern hatten gelegentlich Aufgaben zu übernehmen, hauptsächlich im Bereich des Einkaufs und manchmal in der Abteilung Verpackung und Versand. Damit versuchte ich ersten kritischen Fragen zu begegnen und aufkommende Zweifel zu zerstreuen - ich glaubte glaubhaft- als beim unüberlegten Öffnen des Kofferraums ein nagelneuer Schneebob zum Vorschein kam. Zwei Tage vor Weihnachten!
Nun sind ja die Buben schon fast erwachsen, das Christkind längst durchschaut, aber Feuer scheint immer noch Faszination auszuüben und der Inbegriff aller Feierlichkeit zu sein. Es wird an Traditionen festgehalten und deshalb sitzen wir wie jedes Jahr am Heiligabend um das kleine Feuer beim Fondue.
Das Warten auf's Christkind vertreibe ich mir derweil gemütlich bei einer Tasse Tee und ein paar Platzerln.
Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr!



