Ich hab da ja so meine Theorie was diese Macarons angeht, über die jeder redet und die man jetzt überall finden kann. Sogar der Schokoladenladen in meiner kleinen Stadt hatte schon welche. In schokoladenbraun, wie sonst? Aber auch in himbeerrot und pistaziengrün. Die himbeerroten habe ich probiert. Klar die roten sind immer die besten, wie bei den Gummibärchen. Waren gut, schon sehr lecker und schmeckten nach mehr. Teuer waren sie! Aber mal ehrlich, Makronen sind doch ein alter Hut. Kennen wir, die wir von Kindesbeinen an viele Lehrjahre in der häuslichen Weihnachtsbackstube verbracht haben, schon in allen möglichen Variationen. Kokosmakronen, Dattelmakronen, Haselnussmakronen, Anisplätzchen. Anisplätzchen? Keine Ahnung, ob die Makronen sind, aber sie sehen ziemlich danach aus. Und nun machen alle einen Wind um die Macarons als ob die Franzosen noch nie was von Mandelmakronen gehört hätten. Dabei machen sie in
Amiens und in
Bouley und in
Nancy schon seit Ewigkeiten welche und die sehen genauso aus wie die aus unseren Backstuben. Aber jetzt wär das plötzlich gaaanz was neues. Kunterbunt, glatt wie ein Babypopo und in total abgedrehten Geschmacksrichtungen sind sie zu haben und täglich kommen neue hinzu. Aber ich sag euch mal was! Ich vermute ja der Pariser Zuckerbäcker, der diese neumodischen Macarons erfunden hat, wollte eigentlich Baisers machen. Und schlug das Eiweiß und schlug das Eiweiß und es wurde und wurde nicht steif sondern immer flüssiger. Noch mehr Zucker hätte nicht geholfen und anständige Baisers waren mit dem Eiweißbatz nicht zu machen. Also wurde schnell noch improvisiert und Mandelmehl dazugegeben. Weil es aber für die 37 Eiweiß, die sich im Laufe des Backtages angesammelt hatten, zu wenig war, musste der Lehrbub in die Vorratskammer zum Mandelmehlholen und was ist: Keins mehr da, alles aus, aufgebraucht, aus die Maus! Die Zeit drängte, die Masse drohte zu zerfallen. So wurde kurzerhand die ganze Chose in Tupfen auf dem Backblech verteilt und ab ins Rohr damit. Nein, nicht gleich. Die Hitze im Ofen war zu hoch. Also mussten die Tupfen noch ein wenig warten und währendessen sank das Bisserl Mandelmehl nach unten und die Tupfen zerliefen zu Pflatschen. Gebacken wurden sie trotzdem, man konnte ja nicht 37 Eiweiß samt Zucker und bisserl Mandelmehl in den Ausguss schütten und ein verstohlener Blick zum Herrgottswinkel ließ diesen Gedanken schnell wieder vergessen. Nun geschah etwas, das die Weltstadt vom Provinznest, das 20. vom 19. Jahrhundert und vielleicht auch Mann und Frau unterscheidet. Den rührigen und grundehrlichen Schwestern Tatin aus einem kleinen Kaff bei Orléans zum Beispiel stand ihr Missgeschick ins Gesicht geschrieben, als ihnen die Sache mit dem Apfelkuchen passierte. Sie machten noch das Beste daraus, schließlich wollten sie ihre Gäste nicht hungrig nach Hause schicken, und präsentierten mit vielen Pardons und Beteuerungen ihre verunglückte Tarte. Nie hätten sie es gewagt zu behaupten, dass der Kuchen genau so gehörte, wie sie ihn angeboten hatten. Keiner hat's ihnen übel genommen, im Gegenteil: tröstende Wort fand man und, um diese zu unterstreichen, aß man den Kuchen ratzeputz auf. Und er schmeckte ja wirklich ganz vorzüglich. Genau so eine Tarte wollte man gerne noch mal haben! Anders in Paris, der Weltstadt, der Hauptstadt der Kulinarik, wo alle Blicke auf einen gerichtet sind und der Druck immens ist. Nur keinen Fehler machen, sich keine Blöße geben. Viel zu leicht wird man zum Gespött der ganzen Stadt. Und das Geschäft wäre ruiniert! Wer wollte das? Kein Wort davon, dass da was schiefgelaufen ist. Nein. Oder habt ihr je davon im Zusammenhang mit Macarons gehört? Nur der Wille, das Beste aus einem Unglück zu machen, der Wille, der aus vermeintlichen Verlierern Gewinner macht, war da wie dort gleichermaßen vorhanden. Die Pflatschen, die da aus dem Backofen kamen, waren nur etwas aufgegangen. Eindeutig keine Baisers und zu flach, um als Makronen verkauft zu werden. Zu leicht, zu mickrig, zu gering. Und der Geschmack? Zu fad und kaum feststellbar. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Nicht Baiser, nicht Makrone. Es fehlte an Zucker und Mandel. Irgendwie musste das Zeug aufgepeppt werden! Sprach's der Zuckerbäcker, tauchte ein Messer in die Ganache und bestrich damit die Unterseite eines Pflatschen, setzte noch einen weiteren darauf. Et Voilà! Das moderne Macaron war geboren. Die weitere Geschichte hat eher was mit Marketing, Produktentwicklung, Expansion usw. zu tun. Kennt Ihr ja.
Mir kann so ein Missgeschick mit dem Baiser ja nicht passieren. Ich hab nämlich das Rezept von Marcus Wareing, seines Zeichens **-Koch. Der hat ein Kochbuch geschrieben und vollmundig erklärt: "So wird's perfekt - 100 Rezepte und wie sie garantiert gelingen". Ich hab mich also daran gehalten wie man Mini-Baisers macht, die garantiert gelingen. Die werden nämlich immer so wie sie es wollen, aber nie so wie ich es will. Und dieses Mal sollten sie perfekt werden. Sehen doch echt perfekt aus, oder?
Naja, eigentlich wollte ich sie anders haben. Keine Tupfen sondern Spitzenhäubchen. Aber wenn ich sie schon so hinbekomme, sollte ich vielleicht doch mal Macarons wie
Aurélie und
Andreas versuchen. Die beiden können's perfekt! Und sie haben hervorragende Anleitungen geschrieben.